Am Ende des Pfades
Ein Gedicht von
Lewin Dunkel
Am Ende des Pfades
(Vom Verschwinden der Wege)
Der Pfad führte durch Felder und Wiesen, vorbei an Gräben und einzelnen Baumgruppen. Lange schien er ein klares Ziel zu besitzen. Doch je weiter man ihm folgte, desto unsicherer wurde seine Richtung.
Das Gras wuchs höher. Büsche traten näher an den Weg heran. Die Fahrspuren verloren ihre Deutlichkeit, bis nur noch eine schmale Ahnung ihres Verlaufs übrig blieb. Der Pfad schien langsam in die Landschaft zurückzusinken.
Vor mir erhob sich ein kleiner Bestand alter Bäume. Ihre Kronen warfen Schatten auf den Boden, und dahinter begann ein Stück Wald. Dort verlor sich der Weg endgültig.
Ich blieb stehen. Kein Schild markierte das Ende. Kein Tor versperrte den Zugang. Der Pfad hörte einfach auf, als wäre er müde geworden. Die Erde, die Felder und die Bäume übernahmen, was einst sein Verlauf gewesen war.
In diesem Verschwinden lag nichts Trauriges. Nicht jeder Weg muss fortbestehen. Manche erfüllen ihre Aufgabe und gehen dann in der Landschaft auf, aus der sie einst entstanden sind.
Der Abend legte sich über die Felder. Zwischen den Baumstämmen wurde das Licht schwächer. Wo eben noch ein Pfad gewesen war, sah ich nur noch Gras, Wurzeln und Schatten. Und doch hatte ich das Gefühl, dass sein Ende nicht das Ende seiner Geschichte war.
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