Vanitas Publica

Ein Gedicht von TIMO ERTEL
Wer Reputation über Wahrheit stellt,
vertauscht die Wirklichkeit mit ihrer Geste.
Er lebt vom Echo einer flüchtigen Welt
und hält den Beifall für das Bleibendste.
Er sammelt Zustimmung wie andere Münzen,
vermehrt die Reichweite, vermindert den Gehalt;
die Argumente werden zu Allianzen,
die Allianzen altern schneller als Gewalt.
So wächst die Pose über ihre Gründe,
bis sie den eigenen Ursprung nicht mehr kennt.
Wo Substanz fehlt, entsteht die große Stunde
der Rhetorik, die ihre Leere Monument nennt.
Doch Dauer fragt nicht nach der Lautstärke des Tages.
Sie prüft allein, was nach dem Ende tragfähig geblieben ist.

© Timo Ertel, 2026

Informationen zum Gedicht: Vanitas Publica

20.06.2026
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