Holocaust

Ein Gedicht von Lucia #
Hey...
kannst du mir sagen, wer ich bin?
Bin ich immer noch der,
der ich mal war?
Ist immer noch etwas von mir da?
Bin ich immer noch der,
den ich gestern noch im Spiegel sah?
Gestern vor 1000 Tagen
damals
früher
Bitte sag es mir.
Denn ich weiß es nicht;
nicht mehr.

Denn wenn der Morgen kommt,
sind meine Augen verbrannt
und alles, was ich mal gekannt
Denn wenn der Morgen kommt,
liege ich in einer Wolke aus Staub,
das Einzige, was übrig ist,
von dem, was mal mein Leben war
Denn wenn ich entrissen werde
aus des Traumes Schlaf
ist es so, dass ich dann sterbe?
All die Sterne über mir
mit ihrem zerbrochenen Glanz
ist es so, dass ich dann einer von ihnen werde?

Denn ich liege hier,
eingesperrt wie ein Tier,
rasiert und nummeriert,
nur noch eine Zahl unter vielen
keine Kinder, die spielen
kein Mensch, der lacht
niemand, der noch Hoffnung hat
Denn du sagst,
bei jedem einzelnen Schlag
in mein Gesicht,
dass du der Bessere bist,
ich nur minderwertig
nicht des Lebens würdig
fertig
Punkt.

Ich sei der Grund
für das Schlechte dieser Welt,
dafür, dass sie aus den Angeln fällt
Ich bekomme meine Strafe
für eine unschuldige Schuld
Um mich herum eine Blutlache
nichts als Folter und Schmerz
und du lachst,
du und dein verrottetes Herz,
du und deine grausamen Augen,
die all den Wahnsinn wirklich glauben
Du sagst, ich sei selbst Schuld daran
Jude, Homosexuell, andere Meinung in der Politik
es keinen Ausweg für mich gibt
Ich sehe wie die Schönheit mit jedem Tag ein (kleines) bisschen mehr stirbt
Und an Freiheit glaube ich schon lange nicht mehr,
sie ging,
ist mir fremd geworden;
dabei habe ich sie doch mal gekannt
und jetzt erinnere ich mich kaum noch an den Klang
ihres Namens
er liegt begraben
unter diesem Menschenhass
und dem Teufel,
der all diese Marionetten
anführt.
Begraben unter der Grausamkeit,
die jeder zerbrochene Engel spürt,
während der Mann mit Hörnern
die Feindseligkeit immer weiter schürt.

Und wenn ich in den grauen Himmel schaue,
sehe ich, wie diese Welt auseinanderbricht,
sehe ich meine Brüder sterben
mit schmerzverzerrtem Gesicht.
Vergast und durch Hunger zum Tode verurteilt
und geschlagen und in Hälften zerteilt;
und vor Erschöpfung
und fehlender Hoffnung
entschlafen für immer
Wir kennen nur den Winter.
Denn da drüben, innerhalb des Zaunes aus Angst und Wut,
da ist ein Vater, der seinen Sohn verliert,
weil dieser gerade erfriert;
da ist eine Tochter, die nach ihrer Mutter ruft,
welche sie aber schon nicht mehr hören kann,
weil ihre Augen leblos Richtung Himmel schau'n;
da ist ein Mann, der seine tote Frau in den Armen hält
und mit blutigen Tränen um sie weint;
da ist ein Greis
in der Umarmung des Todes mit seinem Enkel vereint.
Und der Wind frischt auf
und der Glaube weht vorbei
er wird fortgetragen
er stirbt
An diesen kalten Wintertagen
Mitten im Mai.

Und wenn der Morgen kommt,
verliere ich allen Mut,
bin ich zu kaputt,
um noch zu kämpfen.
Denn wenn der Morgen kommt,
kann ich mich kaum bewegen
vor Schmerz und Leid,
die Zeit schleicht
Und ich höre den Regen
er wäscht die Spuren fort
grausamer Ort
in hübschem Schein
Und ich höre den Regen
er spült unsere Geschichten fort,
sodass niemand je erfährt,
was ein sterbender Engel
über den Teufel verrät.

Denn du stehst vor mir
in schwarzem Licht
Ich sehe nicht dein Gesicht
auch du bist einer von vielen,
eine von vielen Marionetten
in diesem Teufelsheer
Deine Augen sind leblos und leer,
nur durchkreuzt von deinem Hass,
den du doch selbst nicht mal verstanden hast.
Du nimmst die Pistole
Und ich liege am Boden.
Du richtest sie auf mich
mit eiserner Hand.
Und ich habe erkannt:
gleich drückst du ab.
Ich kann es in deinen Augen sehen
es ist Zeit für mich, jetzt endgültig zu gehen
Dann bin ich nicht mehr auf dieser Welt,
nicht mehr hier.
Gleich drückst du ab.
Und ich,
ich wünsche es mir.
Peng.

Informationen zum Gedicht: Holocaust

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06.07.2016
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