Im Netz der Spinne

Ein Gedicht von Jesse lee
Im Netz der Spinne

Sie ist bescheiden, tolerant,
gut gebildet und anerkannt.
Ihre Sprache ist klar, ihr Ton ist sanft,
ihr ganzer Umgang unverkrampft.
Doch eine Maske schützt ihr Gesicht.
Ihr zweites „Ich“ erkennt man nicht.

Das projizierte Bild, es blendet,
weil sie falsche Signale sendet,
um jene dunklen Flecken
an ihr behutsam zu verdecken.
Was sie von anderen unterscheidet,
ihr Selbstwertgefühl, das leidet.

Kein Feuer, nur ein kleines Licht,
das die Dunkelheit nicht durchbricht.
Das Gefühl ihrer Unterlegenheit,
schreit nach Begehrlichkeit.
Unauffällig, still und leise
spielt sie auf eine perfide Weise.

Ein Pakt mit dem Teufel geht sie ein,
ein Engel des Lichts, nur zum Schein.
Keine Liebe, einzig die Macht,
die in ihr das Feuer entfacht,
das sie braucht für ihr Begehr
nach Bewunderung und viel mehr.

Ihr Hunger ist groß, gehört gestillt,
das Reservoir wird aufgefüllt.
Den Lebenskompass neu justiert,
das zweite Gesicht ist aktiviert.
Verschlagene Blicke und Nettigkeit,
ihr Lebensretter steht schon bereit.

Dann saugt sie aus dem Lebenssaft,
der ihr vermeintliche Größe verschafft.
Ihr Ehebruch ist ungehemmt,
denn wahre Liebe ist ihr fremd.
Hast du sie dann durchschaut,
wirst du deiner Wahrheit beraubt.

Die Gedanken sind durchflutet,
das Gehirn nicht gut durchblutet.
Die Angst im Herzen; nur ein Versehen?
Wird sie meine Furcht verstehen?
Jetzt spricht die Lüge, die Wahrheit ist tot,
ihr zweites Gesicht ist sonst bedroht.

Sie spinnt ein Netz aus Lügen,
das muss seinem Zweck genügen.
Raffiniert und filigran gesponnen,
hat sie es ihren Drüsen entnommen.
Ein gut dosiertes Gift vonnöten,
um die Wahrheit abzutöten.

Verführerisch der Köder, er wird geschluckt,
hat sich noch nicht als Gift entpuppt.
Nun tut sie alles, dass ich schwärme,
aus ihrem Herzen kommt nur Wärme.
„Ich würde dich niemals betrügen!
Können diese Augen lügen?“.

Im Netz verharrend, meine Sinne gelähmt,
das Glück schmeckt, bin wohl gezähmt.
Die Morgensonne hat mich geweckt,
Tautropfen haben das Netz bedeckt.
Das funkelnde Kunstwerk ist ihr entgangen,
ihre Lügen darin glitzernd gefangen.

Verzweifelte Blicke, ihr Ton wird rau,
ihre Welt ist nicht mehr Himmelblau.
Sie wechselt ihre Strategie
und leidet unter Amnesie.
Da war nichts, nur ein Hirngespinst!
Verschränkte Arme und sie grinst.

Ihre Lügen vom Eise bedeckt,
eingefroren und tief versteckt.
Ihr Herz pumpt nur noch kaltes Blut,
dorthin, wo die Lüge ruht.
Und so kühl wie sie blickt,
wird jede Frage im Keim erstickt.

Ihre Wahrheit, niemals zu betrügen,
ist die Summe ihrer Lügen.
Aber Lügen speisen die Wahrheit.
Gelassenheit gedeiht, bringt Klarheit.
Bevor ich vehement entgleise,
präsentiere ich die Beweise.

Giftige Tränen aus kalten Augen,
die für die Wahrheit gar nicht taugen.
Da hilft kein Stammeln oder Wälzen,
die Lügen fangen an zu schmelzen.
Ihre Kehle ist wie zugeschnürt,
sie wurde der Lüge überführt.

Keine Reue, ein Flüstern nur,
auch von Bedauern keine Spur.
Lieblos und mit sturer Geduld,
sei ich an allem schuld!
Ich wünschte, ich hätte nur geträumt,
meine Seele wäre aufgeräumt.

Die Wahrheit kommt nur schwer ans Licht
und wer sie kennt, der glaubt es nicht.
Sie ist keine Visagistin,
sondern eine verdeckte Narzisstin,
die mit ihrer zerstörerischer Kraft
dir ein traumatisches Leben verschafft.

Fragt die Götter, die spotten nicht,
nicht die Spötter mit grinsendem Gesicht!!

©JesseLee
Februar 2026

Informationen zum Gedicht: Im Netz der Spinne

1 mal gelesen
(Es hat bisher keiner das Gedicht bewertet)
-
08.02.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Jesse lee) für private und kommerzielle Zwecke frei verwendet werden.