Karneval im Hühnerstall

Ein Gedicht von Gudrun Nagel-Wiemer
Der junge Hahn ist heut´ gut drauf,
und setzt sich einen Filzhut auf.
Obwohl er sonst Aufsehen vermeidet,
hat er sich heute verkleidet.
Die Brille hat er vor zwei Stunden,
auf einem Strohballen gefunden
und sie dann, zu guter Letzt,
noch ohne Gläser aufgesetzt.
Jeder trägt heute was er will,
er mag es lustig, bunt und schrill.
Auch der fesche rote Hut,
macht sich auf seinem Kopf sehr gut.
Die Hennen werden sicher gackern,
die Schweine mit den Ohren schlackern,
doch das ist ihm heut´ ganz egal.
Er freut sich auf den Maskenball.
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Spät abends, kurz vor Mitternacht,
gab es noch eine Eierschlacht.
Es wurde gegackert und gerockt,
- das hat auch Feinde angelockt.
Neugierig geworden, durch das Geschrei,
kam auch der schlaue Fuchs vorbei.
Vorsichtig schlich sich dieser Lümmel,
mitten unter das Getümmel.
Der Eber grunzte: "Was macht der hier?"
und nahm den Fuchs gleich ins Visier.
Der Hahn krähte aus voller Brust...
Man spürte förmlich seinen Frust.
"Mach ´ne Fliege", brüllte die Kuh,
"und lass die Hühner ja in Ruh!"
Niemand wollte mit ihm feiern.
Man beschmiss den Feind mit Eiern.
Oh, verdammt, das war knapp...
Traurig zog der Fuchs nachts ab.
Er wär´ so gern im Stall geblieben,
doch niemand schien ihn dort zu lieben.

Informationen zum Gedicht: Karneval im Hühnerstall

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07.02.2026
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