warteschleife

Ein Gedicht von Daniel Claus Schäfer
abseits von Glasfassaden
und kaugummiflecken wächst gras –
ungefragt, wie ein gedanke
um drei uhr nachts

die stadt blinzelt
in grellem neon

deine stimme
in sprachnachrichten
nicht abgespielt
gespeichert wie etwas zerbrechliches
worte als Audiodateien
schweigen als Format.

bäume werfen schatten
auf asphaltbiografien

die sonne:
ein algorithmus
der täglich neu lädt

die nacht:
eine playlist
aus sirenen und klimaanlagen
fenster dunkel
wie bildschirme ohne signal.

die sterne:
offline

ein pärchen küsst sich
am zebrastreifen,
während autos vorbeirauschen
wie pfeile ins dunkel.
ihre hände:
ein firmware-update
durch berührung

ich zähle stockwerke
suche nach licht
in fremden wohnungen:
jalousien als firewalls
in der ferne piept eine ampel
die niemand überquert

vielleicht bist du irgendwo online,
während die stadt verstummt.

vielleicht denkst du das auch.
vielleicht ist das nur

die warteschleife
für uns

Informationen zum Gedicht: warteschleife

2 mal gelesen
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17.03.2026
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