Fragebogen von Azad Kaysadu

Wie würdest Du Dich in kurzer Form beschreiben? Was würden andere Menschen über Dich sagen? Azad Kaysadu ist ein mehrsprachiger kurdisch-zazaischer Dichter, Schriftsteller, Komponist und Polylogist.
Er wurde am 25. März 2001 in Elazığ geboren. Nach Abschluss seiner Schulausbildung begann er bereits in jungen Jahren, sich intensiv mit Literatur, Politik, Psychologie und Soziologie auseinanderzusetzen. Im Jahr 2019 zog er nach Istanbul, um seine literarischen Arbeiten fortzusetzen, und siedelte später nach Gaziantep über, wo der Großteil seiner musikalischen Werke entstand.
Nach dem Erdbeben von Maraş im Jahr 2023 kehrte er für kurze Zeit nach Elazığ zurück und konzentrierte sich auf sein akademisches Leben. Im Jahr 2024 wurde er an der University of Oxford für das Fach Psychologie zugelassen und zog in das Vereinigte Königreich. Seit 2026 setzt er sein Studium der Philosophie und Psychologie sowie seine akademische Forschung an der Universität Wien fort.
Als Polyglott hat Kaysadu Übersetzungen und Werke in verschiedenen Sprachen verfasst, darunter Deutsch, Englisch, Latein und Zazaki. In seiner Literatur schöpft er aus den Strömungen des „Internen Dekonstruktiven Realismus“ und der „Psychologischen Moderne“. Große Aufmerksamkeit erlangte er mit Gedichten wie „Nâşi“, in dem er klassische Metrik (aruz) mit freiem Vers verbindet, sowie „Bêrî Seserrânî“, das er in seiner Muttersprache verfasste.
Kaysadu verfolgt einen interdisziplinären Kunstansatz und hat im Laufe seiner Musikkarriere zahlreiche Werke veröffentlicht, darunter das in fünf Sprachen eingespielte Album Şair ve Tüfek (Der Dichter und das Gewehr). Um jedoch dagegen zu protestieren, dass Kunst innerhalb der Marktmechanismen zu einem reinen Konsumobjekt degradiert wird, zog er 2023 in einem radikalen Akt alle seine musikalischen Werke – die bis dahin Hunderttausende von Streams erreicht hatten – freiwillig von den digitalen Plattformen zurück. Neben seinem literarischen Schaffen widmet sich der Autor auch unabhängigen, kleineren Film- und Drehbuchprojekten, bei denen er selbst Regie führt und das Drehbuch schreibt.

Wie bist Du zum Dichten und Schreiben gekommen? Wieviele Jahre schreibst Du schon Gedichte? Wie ist bisher Deine Karriere verlaufen? Zum Schreiben kam ich in meiner Jugend, geprägt von familiären Umbrüchen und der Suche nach Identität. Ich schreibe nun seit etwa zehn Jahren und habe bereits mehrere Gedichtbände und Romane verfasst. Meine künstlerische Laufbahn verlief dynamisch und interdisziplinär zwischen Deutschland, der Türkei und Österreich – geprägt von akademischen Stationen, erfolgreichen gastronomischen Gründungen sowie dem radikalen Akt, meine Musik auf dem Höhepunkt des Erfolgs als Protest gegen die Kommerzialisierung aus dem Netz zu nehmen.

Was bedeutet Dichten für Dich? Dichten ist für mich ein Akt der Dekonstruktion und des existenziellen Widerstands. Es ist der Versuch, den psychologischen Kern des Seins freizulegen, die Stille zu brechen und der Vergesslichkeit einer unaufmerksamen Welt entgegenzuwirken.

Woher nimmst Du Dein Inspiration zum Gedichte schreiben? Was treibt Dich zum Gedichte schreiben an? Meine Inspiration entspringt den Brüchen und Traumata meiner Herkunftsregion, der Tiefe der menschlichen Psyche sowie der felsefischen Auseinandersetzung mit Gerechtigkeit und Verlust. Mich treibt die Wut gegen Heuchelei und der unbedingte Drang an, die Menschen aus ihrer Gleichgültigkeit aufzurütteln.

Was ist Dein Lieblingsgedicht oder Lieblingsspruch? Mehmed Uzun - Sus Kuyu Su

Was sind Deine Schwerpunkte? Was möchtest Du den Lesern vermitteln? Meine Schwerpunkte liegen im Grenzbereich von Psychologie, Existenzphilosophie und Identität, verpackt in Strömungen wie dem Internen Dekonstruktiven Realismus. Ich möchte den Lesern keine Illusionen bieten, sondern sie dazu bringen, sich ihren inneren Abgründen zu stellen und ihre eigene Freiheit einzufordern.