Fegefeuer

Ein Gedicht von Georg Babioch
War es nicht so, daß der Teufel mich geritten,
Befiehlt mir Moral, Ethik und all seine Sitten;
Im Fegefeuer ließ er mich knusprig braun schmoren,
Doch gestehe ich: ohne dir, satan, wäre ich längst verloren.

Es glimmt und lodert in mir, dieses Feuer,
Ergriffen von wallend Feuer speienden Ungeheuer;
Jene nämlich haben sich meiner Figuren bemächtigt,
Immerzu, selbst und vor allem als ich mit einem Weibe
genächtigt.

Anderntags nämlich roch es stets nach Asche und Glut,
An mir und in mir, in meiner Seele und meinem Blut;
Es schwofelte leise und kokelte vor sich hin,
Aschenstaub an meinem Körper bis hin unter mein Kinn.

Ich hatte ihn gründlich zu reinigen, meinen Leib,
Und zu überlegen, was ich denn nächstens mit mir treib;
Wer verflucht denn so laut in meinen Träumen meine Sinne,
Ich sinne darüber nach, ich denke und träume, ich spinne.

Mit eiskaltem Wasser habe ich meine Seele gekühlt
Und immer wieder diese mit Regenwasser abgespült,
Hochdroben auf einem Hausdache gestanden,
Wo mich noch des Abends Friedenstauben zum Satan betend vorfanden.

Es lebt sich im Fegefeuer fürwahr ungeheuer,
Und gar nicht gefährlich, nicht zu heiß und beileibe nicht zu teuer;
Notwendig reibe ich mich an solchen lodernden Launen meiner Natur,
Um mir stets die Frage stellen zu können: was mache ich denn jetzt nur?

Welcher Satan hat mich zu diesem und jenem denn getrieben?
Mit welchem Teufel möchte ich noch Walz auf Walz tanzen und schieben?
Und behende Schritte über das Parkett ausbreiten,
Um andere ebenso zum Satan in seinem eigenen Leibe zu
verleiten.

Ein Satan für einen Jeden in seinem eigenen Leben,
Einen solchen Genossen mag ein jeder sich selbst er-
schaffen und weben;
Ganz nach seinen Wünschen und Bedürfnissen ausgerichtet,
Damit dieser in uns von seinem selig sinnigen Sein im Fegefeuer berichtet.

Und uns zu neuen schweifen Lasten verführt,
Gerade was einem jeden an windigen Lasten bereit liegt und gebührt,
Daß uns der Satan über eine gewaltige Hürde der Wahrheit und der Doppelmoral springen läßt,
Nun aber auf, ihr Freunde der Wonne: Hebt an zum nächsten Satansfest.

Informationen zum Gedicht: Fegefeuer

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20.07.2012
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