Der letzte Walzer - im Herbst

Ein Gedicht von Annelie Kelch
Der letzte Walzer – im Herbst

Gestern: der erste wirklich kalte Tag,
schon arbeitet der Herbst den Winter ein -
ein kleiner Vorgeschmack auf härt're Zeiten.
Den grauen Himmel deckten graue Wolken zu,
und in der Altstadt ist die Sommerträgheit
gänzlich eingeschlafen.

Der nasse Boden macht viel neue Stiefel nass,
die meisten haben 's eilig, finden keinen Spaß
mehr am Flanieren.
In den Gebäuden schwirren Viren
und Bazillen 'rum
es dauert nimmer lang, dann wird es frieren.

Ein rauer Wind fuhr durch das Laub der
hohen alten Eiche dort am Uferkai,
und nahm die kranken alten Blätter
mit auf seine Reise.
Sie wurden noch ein allerletztes Mal gen
Himmel hochgewirbelt, gaukelten und tanzten
den letzten Walzer ihres Lebens.

So möcht' auch ich noch einmal tanzen,
schweben vor dem letzten Atemzug
oder als Asche rock&rollen über
meinen Elbefluss.

Informationen zum Gedicht: Der letzte Walzer - im Herbst

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09.11.2016
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