Reimprechts Geist

Ein Gedicht von Hihö
Elisabeth, die ach so fromme Seele,
nur beim HERRN hat sie die Lieb gesucht.
So dem wilden Reimprecht diese itzo fehle,
daher ereifert er sich gegen Gott mit Wucht.

Da nahte er schon mit blankem Degen,
seiner bösen Worte nicht bewußt.
Von Weitem stürzte er ihr entgegen,
setzte den Degen derb an ihre Brust.

„Du schwörst im gleichen Augenblicke,
daß du mich wärmer liebst als ihn!
Für immer! Treuverlaßnes Weib!
Sonst schlag ich dich in Stücke!
Durch diesen Degen gehst du hin!
Den stoß ich dir mitten in den Leib!“

Dies schreckte Elisabeth so sehre,
daß sie sogleich zu Tode fiel. –
Alsbald wurd’ Reimprechts Herz so leere.
Erstarrte je! – Der Kummer ward zuviel.

Der Hahnenschrei löste Reimprechts Starre.
Die toten Augen wurden tränennaß.
Wahnsinnsgetrieben rauft’ er sich die Haare;
so blieb er für immer und ward leichenblaß.

Neun Jahre schlich er durch die Wälder.
Trieb dort seine wildes Wesen fort.
Seit seinem Tode zieht er über die Felder
zu Elisabeths Grab und weintet nächtens dort.

Jeden Morgen schlürft er arg zerschunden
zur Kirche hin und drückt sich rein.
Drinnen ward er je verschwunden.
Ein Ritter steht hier namenlos. Aus Stein.


Copyright © da Hihö
2000

Informationen zum Gedicht: Reimprechts Geist

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21.01.2019
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