Der Schwester unerfüllbare Pflicht

Ein Gedicht von Hihö
(oder: die sarkastische Sicht eines ewig Gestrigen)


Gleich hinter finstren Kerkermauern
sollt’ er um seine Schwester trauern?
Nicht mehr frei für alle Zeit
will sie ein Leben nun zu zweit.

Doch wirft er weg die tumben Sorgen;
Bei ihrem Mann ist sie geborgen.
So hofft er denn für gleiches Blut,
daß sie auch selbst ihr Bestes tut:

„Sie soll ihn trösten ab und an,
zärtlich wie’s ’ne Frau nur kann,
wenn sorgenvoll der Mann ihr klagt,
was untertags man ihm gesagt.

Sie soll im Haus als gute Frau
gar froh sein; fleißig und genau;
und auf den Straßen ohne Gatte
nicht stehen bleiben zur Debatte.

Erfüllen ihre weiblich‘ Pflicht
wenn er gelöscht das letzte Licht
um Kinder in die Welt zu setzen,
oder an ihr sich zu ergötzen.

Soll immer gutes Beispiel machen.
Nicht, - daß die Kinder rücklings lachen.
Darf niemals bös oder gar zänkisch sein,
wenn er vom Tageswerk daheim.

Ansonsten: Gute Sachen kochen,
nicht an des Nachbarn Türe pochen.
Die Kinder – jedoch nur ganz selten,
wenn nötig – aber höchstens schelten.

Nicht denken an die Spezerei’n,
und nicht zu oft im Kino sein.
Macht’s doch das schönste Kleid nicht aus –
wohl jedoch ein glücklich‘ Haus.“


Copyright © da Hihö
1972

1)
Lieber Hihö,
wer wünscht sich nicht so eine Frau, ...
und was wünscht sich die Frau?
Einen Tag nur für sich,
um für den Mann und die Kinder neue Kräfte zu sammeln,
ach was sag ich da? ...
der Mann die Kinder; daraus schöpft sie ihre Kraft...
Hab ich recht?
Herzlich grüßt Dich Waltraud Dechantsreiter

Informationen zum Gedicht: Der Schwester unerfüllbare Pflicht

3 mal gelesen
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15.09.2020
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